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Ausstellung: KATHARSIS - DAS LICHT, DAS BLEIBT.

Autorenbild: Aileen
Aileen
vor 11 Minuten
5 Min. Lesezeit

Eine Werkraum-Ausstellung im GEH8 Kunstraum vom 6. November 2026 bis 21. Feburar 2027


Klimawandel, Rechtsruck, Krieg in der Ukraine und in der Straße von Hormus, Bedrohungen intellektueller Arbeit durch Künstliche Intelligenz: Die Aktualität scheint uns ständig mit beängstigenden Nachrichten zu konfrontieren. Wut und Angst führen aber häufig zum Gefühl der Ausweglosigkeit und der Überwältigung. Als Weg aus dieser Beklemmung wird in Aristoteles’ Poetik die Katharsis im Kunstwerk als das Licht im Dunkeln präsentiert: Katharsis soll zur Befreiung von seinen eigenen Affekten durch Mitgefühl führen und so zu Weitblick und Erleuchtung verhelfen.


Die fünf Mitglieder des Streetcollective Dresden zeigen in der Ausstellung „Katharsis. Das Licht, das bleibt“ jeder ihre eigenen Blickwinkel darauf, wie eine solche ‚Reinigung‘ von Angst und Wut gegenüber den Missständen unserer aktuellen Umwelt bildlich dargestellt werden kann. Dabei nimmt das Konzept des Lichts eine Vorrangstellung ein. Licht erscheint nicht nur als das Grundprinzip der Fotografie an sich (phōs, altgr. = Licht), sondern präsentiert auch im übertragenen Sinn die Hoffnung, die nach der Katastrophe die Kraft zum Weitermachen gibt. Die Fotografien des Streetcollectives zeigen demnach einen Weg durch die Unordnung der Gefühle – nicht geradlinig, aber immer dem Licht der Straßen folgend.


Das Streetcollective Dresden wurde 2023 als Gemeinschaft von Streetfotograf*innen gegründet, um gemeinsam die Kunst der Streetfotografie in Dresden bekannter und einem breiteren Publikum zugänglicher zu machen. Im Sinne des Mottos “Kunst von der Straße für die Straße” ist es sein Ziel mit seiner Arbeit wohltätige Zwecke unterstützen zu können. Die Mitglieder des Kollektivs interpretieren Streetfotografie jeder auf ihre eigene Art und stellen so die gesamte Bandbreite der Kunstgattung ab, von graphischen Arbeiten über engagierte Fotografie bis hin zu Straßenportraits.


Matthias Kern: Die Brücke abbrechen


Diese Fotoserie verknüpft zwei parallele Erzählungen: Auf der rein bildlichen Ebene dokumentiert sie den Abbruch der am 11. September 2024 bereits teilweise eingestürzten Carolabrücke in Dresden; auf einer tieferen Ebene zeigt sie, wie wir mit dem Zusammenbruch eines Lebensabschnitts oder Verlust im Allgemeinen umgehen können. Die Carolabrücke wird so zum Zeichen menschlicher Resilienz, die uns erlaubt, den Zerfall unserer Umgebung zu beobachten, zu akzeptieren und daraus neue Kraft zu schöpfen. Damit wird auch der Blick zurück und eine Hinterfragung der früheren Brücke möglich: War sie wirklich ein verbindendes Element oder eher ein Einschnitt in die Landschaft? Die Bilder sind so angeordnet, dass sie einen Rahmen um einen Freiraum bilden, der den Blick auf andere Exponate freigibt. Dieser Raum spiegelt die Leere wider, die durch die abgebrochene Brücke entsteht, bietet aber zugleich Raum für andere Motive. Die bildliche und figurative Ebene der Serie verweben sich somit zu einer Meditation über menschliche Verbindungen – und können helfen zu akzeptieren, dass manche Brücken abgebrochen werden müssen.


Die acht hier ausgestellten Bilder sind eine Auswahl einer größeren Serie, die das Verschwinden der Carolabrücke künstlerisch erforscht. Diese Serie schreibt sich ferner in das größere fotografische Projekt „Bonjour Dresdesse“ von Matthias Kern ein, in dem er vornehmlich die Verlassenheit der Plattenbauten der DDR und der Neubausiedlungen der Nachwendezeit in Dresden untersucht.

  • Ein einsamer Fahrradfahrer auf deiner Brücke unter dunklem Himmel
  • 3 Kinder spielen vor der eingestürzten Carola-Brücke
  • Ein Arbeiter mit Warnweste auf der Brücke
  • 2 Männer in vertrauter Haltung auf einer Bank mit Blick auf die Elbe und Carolabrücke
  • Ein Fahrradfahrer auf einer Brücke bei hellem Himmel
  • Nebel über der Elbe, Dresden Panorama und 2 Menschen auf der Brücke
  • 3 junge Menschen vor der eingestürzten Carolabrücke
  • Blick auf die abgetragenen Reste der Carolabrücke

Aileen Stechow-Flaxa: Der kreative Prozess als Katharsis - Im Spannungsraum von Form und Formlosigkeit


Katharsis als Konzept der Befreiung, der Reinigung - vom "Zwang" zur Form. Diese Fotoserie befasst sich mit dem kreativen Prozess als innerem Kreislauf vom Aufblitzen einer Idee, über ihren Weg vom schwer fassbaren Funken immer mehr hinein in die Materie - in eine Form. Immer konkreter und materieller werdend bis sie sich schließlich auflöst, losgelassen werden kann, sich entfaltet über ihre Form hinaus. In der Fotografie ist das Formhafte - das "Motiv" - oft der wichtigste Aspekt; im Raum dieser Serie habe ich versucht, mich eher spielerisch und über mein Erleben des Prozesses an sich - dem Gestalten - dem Thema Katharsis zu nähern. Dabei landete ich immer wieder bei der Beziehung zwischen Form und Formlosigkeit und wie diese sich im Prozess des kreativen Schaffens immer wieder aufeinander zu und voneinander weg bewegen. Verschmelzen und sich auflösen.


Ein Ziel, eine bestimmte Richtung, eine bestimmte Meinung zu vertreten, uns einer Gruppe zuzuordnen - all das gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. Beim Fehlen dieser Dinge entstehen Unsicherheit und Spannung. Das "Göttliche", das Schöpferische, an sich in uns hat keine Form. Es wird durch die Form in die Materie geboren, aber es existiert an sich.


So wie wir - in der Form.


Und darüber hinaus.


  • Kontrastreiches Foto von einem einzelnen Menschen auf gepflastertem Boden mit harten Schatten
  • Abstraktes Foto eines fliegenden Vogels vor einer Stadtsilhouette und hellem Himmel
  • Foto Doppelbelichtung, ein Rabe auf einem Schild aus verschiedenen Perspektiven
  • Ein paar menschliche Beine, eingefangen während eines Schrittes auf regennassem Boden

Weitere Bilder aus dieser Reihe:

  • Straßenszene bei Regenwetter, eine Frau überquert eilig die Straße vor einem Auto
  • Doppelbelichtung, Silhouette einer Katze, ein Brücke und ein Baum
  • Bewegte Szene in der Berliner U-Bahn, mehrere Menschen in Bewegung
  • Doppelbelichtung, ein fahrendes Auto in Bewegung und die Silhouette eines Baumes


Tobias Bohnet: Von Skepsis zu freundlichem Beisammensein - Porträts vom Parankiyamadu Beach


Ein Strand im Osten Sri Lankas in der Nähe von Batticaloa. Palmen schmücken den Strand, die unendliche Weite des indischen Ozeans eröffnet sich. Früh morgens ist der Strand fast menschenleer. Boote, Krähen und Kühe bestimmen das Bild. Vereinzelt tauchen Fischerboote am Horizont auf. Sie bringen die Netze, die im Laufe der nächsten Stunden an den Strand gezogen werden, in der Hoffnung eines guten Fanges. 

Für die Fischer bin ich ein Fremder. Wir können kein Wort wechseln, außer "kaalai vanakkam" und "nandri". Es gibt keine gemeinsame Sprache. Am ersten Tag fühle ich eine Mischung aus Skepsis und Neugier von seiten der Fischer. Mit jedem Tag wächst das Lächeln, das Zulassen von Nähe. Es entsteht eine Verbindung. Ich darf beobachten, fotografieren. Vor unserer Abreise schenke ich jedem sein Bild. Ein Lächeln als Antwort, ein "Baaj!" und die Hoffnung auf ein Wiedersehen.


Es bleiben viele Fragen. Was haben diese Menschen erlebt? In einer Region, die mehr Krisen gesehen hat, als viele andere. Der Bürgerkrieg spaltete das Land, die Folgen des Tsunami von 2004 sind zum Teil noch sichtbar, Corona traf das Land mit voller Wucht und regelmäßige Überschwemmungen, Benzin- und Nahrungsmittelknappheit gehören fast zum Jahreskreislauf. Dann sehen wir die Menschen, in ihren bunten Saris und Sarongs, viel Lächeln, hier eine Einladung auf eine Kokusnuss oder einen Tee mit Milch und Zucker und die Fragen "Where are you from?" und "How do you like Sri Lanka?". Nach aller Dunkelheit, kommt das Licht immer wieder zurück. So wie die Boote, die nach der Nacht an den Strand zurückkehren. Manchmal mit einem guten Fang.


  • Eine ältere Frau am Strand in Sri Lanka, die ein Seil hält
  • Ein alter Mann mit Turban am Strand in Sri Lanka, der sich das Auge reibt
  • Ein Mann sitzend am Strand mit Sand an Händen und Beinen
  • Ein alter Mann am Strand mit Kappe, der freundlich lächelt

Weitere Fotos aus dieser dokumentarischen Serie.

  • Ein Fischer mit Boot am Strand auf Sri Lanka, mehrere Wasservögel
  • Ein Fischer am Strand mit Boot und Netz
  • Ein alter Fischer am Strand auf Sri Lanka, mehrere Vögel fliegen um ihn herum
  • Ein Fischerboot am Strand, davor ein Hund und mehrere Vögel
  • Ein Hund und mehrere Vögel am Strand nahe einem Fischerboot
  • 3 Vögel auf einem Fischerboot am Strand


Dominik Schulze: Lichtwechsel


In meinen Bildern möchte ich Katharsis abseits der gängigen Vorstellung darstellen. Die Fotos entstanden über mehrere Jahre, vor allem an Bahnhöfen, also an Orten des Wartens und Durchquerens. Die Menschen sind darin eher eine Spur menschlicher Existenz. Vorrangig beleben sie die dramatischen Lichtszenen. Selbst wenn sie schon weitergegangen sind, bleibt das Licht.


  • Die Silhouette eines Menschen vor dem Schatten einer Tür mit der Zahl 3
  • Die Beine einer Frau mit gelbem Kleid im Schritt über einem Boden mit harten Schatten
  • Diverse harte Schatten, die sich kreuzen auf einem Boden, 2 Menschen im Gang
  • Silhouetten mehrerer sitzender Menschen bei Sonnenuntergang
  • Silhouette eines Menschen am Bahnhof mit Flasche, der gestikuliert
  • Ein älterer Mann in einem dunklen Raum, vom Fensterlicht beleuchtet


Marco Walther: Was bleibt, wenn wir fühlen?


Ein Lachen steckt uns an.

Eine Geste provoziert uns.

Ein fremder Blick berührt uns, ohne dass wir wissen, warum.


Wir begegnen Menschen, deren Geschichten wir nicht kennen. Und dennoch lösen sie etwas in uns aus.

Freude. Irritation. Ablehnung. Mitgefühl. Stille.


Diese Fotografien zeigen flüchtige Augenblicke menschlicher Begegnungen. Sie wollen weder erklären noch urteilen. Sie laden dazu ein, den eigenen Reaktionen nachzuspüren. Katharsis wird hier als Möglichkeit verstanden, durch die Begegnung mit Bildern etwas in sich selbst zu erkennen – und vielleicht für einen Moment loszulassen. Nicht was wir sehen, verändert uns. Sondern möglicherweise das, was wir dabei empfinden.


  • Ein Herr mit Bart, der auf dem Bordstein sitzt und scherzhaft eine Banane hält
  • Ein junger Mann mit Punk-Kleindung, der die Zunge rausstreckt und lächelt

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