Die Welt in starken Farben
- Matthias

- 8. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Mein Astia-Filmrezept für Fujifilm und einige Gedanken zu Filmsimulationen

Auch wenn ich schon seit vielen Jahren regelmäßig fotografiere und ich mich lange mit Fotoediting auseinandergesetzt habe, schätze ich mich nicht als besonders talentiert bei der Bearbeitung von RAW-Dateien ein. Ich habe nicht einmal etwas gegen das Editieren; aber es scheint mir eine vollständig andere künstlerische Tätigkeit als die eigentliche Fotografie. Mir ist mit der Zeit schon klar geworden, wie man Bilder durch Editing ‚retten‘ kann – und auch genau das Gegenteil bewerkstelligen kann –, aber in jedem Fall gerät dabei der Fokus vom moment décisif (um Cartier-Bresson zu zitieren), also genau dem richtigen Moment, in dem sich das Motiv vor den Augen ergibt, und fällt dafür auf die Zeitspanne vor dem Computer, in dem man das Bild für lange Zeit anstarrt und Regler schiebt, bis es richtig zu sein scheint.
Aus dem Grund bin ich auch schon vor einigen Jahren auf Fujifilm-Kameras umgestiegen, da ich bei ihnen Filmsimulationen benutzen und eigene „Rezepte“ erstellen kann, die bestimmen, wie JPEGs aussehen sollen. Mittlerweile machen das auch Kameras von anderen Herstellern ähnlich granular, aber mit denen kenne ich mich nicht aus. Rezepte gefallen mir viel besser, da ich so schon eigene Presets erschaffe, die ich vom Moment des Fotografierens an auswähle und so ich später weniger am Computer machen muss, um die Bilder so aussehen zu lassen, wie ich das möchte. In den meisten Fällen kann ich sogar SOOC (straight out of camera) fertige JPEGs erhalten, die einen eigenen Look besitzen und über genug Kontrast an den richtigen Stellen verfügen. So bleibt mehr Konzentration für das eigentliche Fotografieren und ich habe viel Spaß dabei.
Dennoch versuche ich auch zu experimentieren und gehe nicht nur von den Filmsimulationen der Kamera aus. Ein weiterer Spaß ist das Mixen der Einstellungen, um den richtigen Look zu erhalten. Zwar habe ich mich lange Zeit auf die Fujifilm-Rezepten auf Fuji-X-Weekly (https://fujixweekly.com) zurückgegriffen, mittlerweile habe ich die Rezepte aber auch weiterentwickelt, um wirklich meine eigenen Vorlieben im Bild materialisieren zu lassen.

Eines meiner Lieblingsrezepte ist dabei mein eigenes Astia-Filmrezept. Auch hier bin ich von einem Fujifilm-Weekly-Rezept ausgegangen (diesem hier : https://fujixweekly.com/2021/07/26/fujifilm-x-trans-iv-film-simulation-recipe-super-hg-astia-part-3-of-3/), habe es aber für mich erheblich weiterentwickelt, sodass es weniger grünstichig, satter in den Farben und vor allen Dingen lichtempfindlicher erscheint. Ziel war es, ein Gefühl von hochgesättigter, stark kontrastierter und teilweise derealisierter Farbigkeit zu erhalten, ohne dass das Bild gleich unecht wirkt; Inspirationen waren hierbei die Farbaufnahmen von Harry Gruyaerts, Ernst Haas und Alex Webb. Besonders wichtig waren mir dabei die schwarzen Schatten, die alles, was nicht perfekt beleuchtet ist, in komplette Dunkelheit stürzen, sodass ich dieses Rezept meist in Zusammenhang mit einer Punkt-AE-Messung und Überbelichtung benutze.
Hier sind die Einstellungen, die ich benutze:
Filmsimulation: | Astia |
Dynamikbereich: | DR100 |
Tonkurve: | H +2, S +2 |
Farbe: | +4 |
Hohe ISO-Nr. (Rauschunterdrückung): | -4 |
Schärfe: | -2 |
Körnungseffekt: | aus |
Farbe Chrome-Effekt: | Stark |
Farbe Chrom FX blau: | Stark |
Weißabgleich: | Neon-2 R:2 B:-3 |
Wichtig darüber hinaus: | Punktfeldmessung |
Wie die Einstellungen zeigen geht es um die Herstellung eines möglich hohen Kontrastes, daher ist die Tonkurve zu einem klaren S verschoben und der Dynamikreich besonders klein eingestellt. Meistens Stelle ich die Belichtungskorrektur ferner auf bis zu -1, um die Schatten noch zu verstärken. Farben sollen besonders satt erscheinen, daher ist dieser Regler bis zum maximum nach oben verschoben. Damit alles aber nicht zu unecht wirkt, verschiebe ich die Schärfe und insistiere nicht auf besondere ‚Knackigkeit‘ des Bildes. Der Weißabgleich ausgehend von Neon ist eine Idee, die ich von Fuji-X-Weekly übernommen habe; mit der Verschiebung in den rotorangen Bereich erziele ich dadurch besonders gute Ergebnisse bei sonnigen Szenen, besser als bei einem Weißabgleich, der auf Sonnenlicht abgestimmt wäre.
Gepaart mit der Punktfeldmessung, bei der ich die Belichtung von den hellsten Gegenden abhängig mache, erhalte ich besonders kontrastierte Szenen, bei denen ich störende Elemente in den Schatten versinken lassen kann. Das hat aber nicht nur Vorteile: Auch wenn ich sehr häufig diese Filmsimulation benutze, kann sie nicht gerade als Allrounder gelten, da der enge Dynamikbereich viel Aufmerksamkeit erfordert und bei weniger kontrastierten Szenen vieles doch übermäßig farbig erscheint. Gerade für Portraits ist diese Simulation weniger geeignet. Auch Aufnahmen bei grauem Wetter oder Regen führen nicht zu tollen Ergebnissen. Aber für ausdrucksstarke Streetphotography bei Sonnenlicht erscheint mir sie eine der besten Wahlmöglichkeiten.
Falls ihr diese Filmsimulation selbst einmal ausprobieren wollt, würde ich mich auf euer Feedback freuen! Gerne könnt ihr mich (@mapakern) auch mit euren Aufnahmen auf Instagram taggen.
Oben: Zwei Beispiele aus 2025 - Starke Farben, tiefe Schwarztöne. Die Filmsimulation scheint am hellsten, wenn die Sonne es auch tut und viele Schatten im Spiel sind.
Unten: Diese Filmsimulation lässt Blautöne besonders tief und dunkel erscheinen. Auch rot sticht besonders hervor.

Pro und Contra: Die starken Farben und der orange Stich sorgen für ein warmes Gefühl. In weniger kontrastreichen Szenen wie unten wirken die Farben aber übersättigt, wie es besonders an den roten Paddeln klar wird. Hier erscheint der Effekt einfach schwach und kann den uninteressanten Bildaufbau auch nicht retten.










Kommentare