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Foto-Serie: Selfies.

  • Autorenbild: Tobias
    Tobias
  • vor 4 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen

Mehr als Selbstdarstellung?! Eine fotografische Studie alltäglicher Menschlichkeiten.


Von Tobias Bohnet.


Click. Ein Tag in Rom. Die Sonne scheint. Der Eintritt ins Kolosseum ist heute kostenlos. In der Warteschlange essen wir Pizza aus dem Supermarkt. Die Abfertigung ist einstudiert, die Wartezeit viel kürzer als erwartet. Nach einer kurzen Erfrischung und dem Bewundern der Architektur, fällt eines sofort auf. Links, rechts, vorne, hinten, oben, unten. Selfies. Wohin das Auge reicht. Jede*r macht Selfies. Egal welches Aussehen, welches Alter, egal welche Sprache, welcher Habitus. Okay, eine Reise nach Rom ist für viele Menschen nicht finanzierbar, dennoch scheinen die vermuteten Kontostände eine große Bandbreite zu haben. Warum verbindet es die ganze Welt? Warum brauchen wir Selfies?


Egal an welchem Ort der Welt, ob im Kolosseum, auf einem Berg oder einfach im Wald. Wir erschaffen uns ein eigenes Bild. Zeigen uns, wie wir es wollen und wie unsere Fertigkeiten im Umgang mit der Frontkamera des Smartphones es erlauben. Das Selfie ist der Beweis: Ich war hier! Ich gehöre zu denen, die diesen oder jenen Ort besucht haben. Ich muss es nicht an die Wände schreiben, sondern kann mein Bild auf Insta hochladen und alle können es sehen. Aber wer ist hier der Star? Das Kolosseum oder ich? Es scheint die Verbindung von beidem. Ohne das Kolosseum fehlt Geschichte. Und ohne ein Bild von mir, könnte das Foto aus einem Reiseführer sein. Manchmal in besserer Qualität.


Ich halte einen Moment in 2D fest, bin ich auf der Suche nach der richtigen Stelle. Wird der Ort zur Kulisse meiner Selbstinszenierung?


Oder zeige ich gar, mit wem ich unterwegs war? Manche Selfies suggerieren eine Einsamkeit, die vor Ort selten gegeben ist. Andere positionieren sich als Gruppe. Manche missmutig, andere können sich nichts schöneres vorstellen. Ein kurzes Lächlen, click, weiter gehts. Oder wird das Selfie sogar zur Inszenierung eines eigenen kleinen Theaterstückes? Ein kleiner Tanz, bis alles passt? Wir liegen uns in den Armen, zeigen allen, wie gut es uns geht.


Zugleich ist die Erwartungshaltung groß, manch WhatsApp Status gleicht einem Livestream. Schaut, wo ich bin? Ich kann euch teilhaben lassen. Euch eine kleine Auszeit gönnen, vom tristen Alltag. Was aber, wenn es keine Rückmeldung gibt? Wenn die Zahl der Likes zu gering ausfällt? Fällt dann mein Selbstwert? Wo muss ich micht positionieren für die besten Likes? Wo ist das beste Licht? Ey, geht mal aus dem Weg, ich mache ein Selfie.


Zurück zu Hause, hunderte Selfies aus dem Urlaub. Und die Frage, woran werde ich mich in vielen Jahren noch erinnern können? Den Duft der Pizza, der Wind in den Haaren? Die klebrigen Finger vom Eis? Das Stimmen- und Sprachgewirr? Werden die Bilder alles andere überschreiben und einen Eindruck in 2D hinterlassen?


Ich weiß, ich war da. Alle anderen, die mein Bild sehen auch. Es ist eine Einladung nachzufragen. Zugleich ist es eine Einladung zur Selbstreflexion. Wie möchte ich mich sehen und wie möchte ich gesehen werden. Für jeden Menschen wird etwas anderes im Vordergrund stehen, wird das Foto eine andere Bedeutung haben. Aber das Selfie verbindet uns.


Die Reihe ist entstanden und wird weiter fotografiert in Momenten, kurz vor, während oder kurz nach der Aufnahme von Selfies. Rom war der Auftakt, Selfies wird kontinuierlich ergänzt. Click.



Diese Serie wurde im Rahmen der Ausstellung "Pop-Up: Stadtbilder" des Streetcollective Dresden im Mai 2026 im Fotoforum Dresden ausgestellt.

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